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Meine Weinphilosophie.

Seit 30 Jahren trinke ich Wein.

Anfangs natürlich nur österreichische Weine, was sonst. Als nächstes waren die Italiener dran, vorwiegend aus der Toskana – Ende der 80er waren ja die „Super-Tuscans“ ganz hoch im Kurs. Von Sammarco  Castello dei Rampolla, über Flaccianello von Fontodi, allen Lagen von Castello di Ama (da entdeckte ich meine Sammlerleidenschaft) bis Solaia musste alles in den Keller. Auch Sassicaia und Ornellaia durften selbstverständlich nicht fehlen. Dann wurde mir bewusst, dass es auch im Veneto und in Südtirol Trinkbares gibt, ja sogar im Friaul bzw. im Collio zur Grenze nach Slowenien (damals noch streng bewacht) wurde ich fündig.

Der nächste logische Schritt war natürlich Frankreich, besser gesagt Bordeaux (für`s Burgund konnte ich mich lange Zeit nicht begeistern). Damals hatte ich das Glück, zu vielen Verkostungen geladen zu werden und bei Freunden „mitzutrinken“. Selber leisten konnte ich mir die Premiers Crus schon damals nicht, obwohl diese in den 90ern im Vergleich zu heute beinahe unverschämt günstig waren.

Dann kamen die ersten Fernreisen und ich lernte Australien und die USA kennen. Siehe da – auch hier wurde Wein angebaut, und noch dazu kein schlechter. Mein erster Penfolds Grange – welche Offenbarung ….!

Mittlerweile war ich mehr als 15 Mal in Südafrika, 3 Mal in Chile und 4 Mal in Argentinien (einmal beinahe 4 Wochen nur in der Gegend um Mendoza), habe viele Weingüter besucht und so manches verkostet.

In diesen ganzen Jahren wurde mir immer mehr bewusst, dass

1)    es unüberschaubar viele verschiedene, tolle Weine weltweit gibt

2)    je mehr man über Wein zu wissen glaubt, man umso weniger weiß

3)    das Preis-Leistungs-Verhältnis keine unwesentliche Rolle spielt

4)    jedes Land – zumindest bis zu einem gewissen Grad – seinen ursprünglichen, autochthonen Rebsorten treu sein sollte

5)    jedes Land seine eigene Stilistik verfolgen und von den „Allerwelts-Chardonnays“ und „Allerwelts-Rotwein-Cuvées“ Abstand nehmen sollte

6)    auch unbekannte Winzer bzw. Weinregionen sensationelle Weine hervorbringen können

7)    ein Stararchitekt zwar ein durchschnittliches Weingut aufpeppen kann, jedoch nicht für den Inhalt der Flasche verantwortlich ist
– egal wie hoch sein Honorar auch ist

Jetzt betreibe ich mein Hotel mit dazugehörigem Restaurant schon eine ganze Weile und die entsprechende Weinkarte war mir immer sehr wichtig, sozusagen als „Spiegelbild“ des ganzen Hauses. Meine „Wein-Trinkerfahrung in Breite und Tiefe“ waren mir bei der Erstellung dieser Visitenkarte stets eine große Hilfe.

Uniformität, Monotonie und Eintönigkeit sind mir seit jeher ein Graus – im privaten Leben sowie auch im Geschäft. Dementsprechend habe ich auch mein Hotel in den letzten Jahren (um)gestaltet.

Leider ist diese verhasste Uniformität in der Weinlandschaft Österreichs zunehmend erkennbar. Die oben erwähnten Punkte 4 bis 7 sind in diesem Zusammenhang bemerkenswert.

Beinahe jedes Restaurant hat die gleiche Weinkarte mit denselben österreichischen „Starwinzern“. Sind die klingenden Namen nicht gelistet, ist die ganze Karte zu vergessen … ein unbekannter Weinbauer hat keine Chance, auch wenn er für den halben Preis bessere Ware liefert. Weine auch Slowenien, wozu? Neuseeländische Pinots, gibt`s das? In Oregon gibt es auch Wein? In Ungarn trinkt man nicht nur klebrig süße Weine? Unsere deutschen Nachbarn machen auch trinkbaren Riesling, seit wann?  ….. diese Liste der „Negativ-Einschätzungen zum Thema Wein“ ist endlos ….

….. es sei denn, man schafft es, einen Gast neugierig zu machen und ihn davon zu überzeugen, doch einmal etwas zu probieren, was er nicht kennt. So nach dem Motto, „wenn es Ihnen nicht schmeckt, trinke ich die Flasche selber und Sie bekommen wieder Ihren Welschriesling aus dem Burgenland“

Und, siehe da, es funktioniert – in 9 von 10 Fällen sind die Gäste positiv überrascht und haben Spaß daran, etwas zu konsumieren, das nicht zu Hause im Kühlschrank oder Keller liegt.

Natürlich ist da auch noch das erwähnte Preis-Leistungsverhältnis, welches in Österreich teilweise leider nicht mehr ganz stimmt. Es sei den bekannten und erfolgreichen Winzern mehr als vergönnt, wenn Sie die hohen Preise erzielen, die sie verlangen. Jeder Konsument kann doch für sich entscheiden, ob er das alles mitmachen will.

Genauso kann ein Gastronom entscheiden, was er zu welchem Preis verkaufen wird. Sei es nun eine Flasche Wein, ein Schnitzel oder als Hotelier das Gästezimmer.

Ich streite in diesem Zusammenhang nicht ab, dass es auch im Ausland zum Teil überteuerte Weine gibt. Niemand ist jedoch gezwungen, diese zu erwerben, gibt es doch überall unzählige, preiswertere Neuentdeckungen. Fakt ist, dass man unbekannte Winzer aus Slowenien, Chile oder Kalifornien im Restaurant eher verkaufen kann als neue Weingüter aus Österreich – hier wird leider immer wieder auf das Altbekannte zurückgegriffen ….

Aus diesem Grunde habe ich entschieden, dass ich mich von der Uniformität der Österreichischen Weinkarten verabschiede, die zum Teil wenig gerechtfertigten Preiserhöhungen österreichischer Winzer nicht mehr akzeptieren möchte, auch andere Weinländer sehr interessant finde, und dass ich den teilweise vorherrschenden Chauvinismus in der heimischen Weinszene meiden möchte.

Persönlich trinke ich seit Jahren Riesling lieber aus Deutschland, Sauvignon Blanc lieber aus Südafrika, kräftige Weiße lieber aus Istrien, Pinot Noir lieber aus Neuseeland und Cabernet oder Malbec generell lieber aus Südamerika.

Also werde ich künftig in meinem Hotel nur mehr ausländische Weine anbieten. Interessante, schmackhafte Weine aus der ganzen Welt, und das zu garantiert sehr fairen Preisen.

Einige wenige Grüne Veltliner aus der Wachau oder dem Kremstal und zwei Blaufränkische aus dem Burgenland wird man weiterhin auf meiner umfangreichen Weinkarte finden, quasi als Aushängeschild für die österreichische Weinkultur …. genießen ja gerade diese beiden Rebsorten seit Jahrzehnten einen guten Ruf im Weinland Österreich.

Roland Ballner, April 2017